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Wie alles begann vor langer Zeit...

(von Tommy Dantl)

Frühling 1983:
Kaktus Kastl, Onkel Werner und ich kommen zusammen. Eigentlich steht das Jahr 1983 in musikalischer Hinsicht unter keinem guten Stern: die legendäre NDW-Band „Ideal“ löst sich auf und „Modern Talking“ wird gegründet. Nichtsdestotrotz sollen sich unsere Wege kreuzen. Wir sind zwischen 15 und 19 Jahren alt und feiern Partys, während aus den Radios Peter Schillings „Völlig losgelöst“, Nenas „99 Luftballons“ und „Codo“ von DÖF dröhnen. Kaktus und ich besuchen (ab und zu) die neunte Klasse des Humanistischen Gymnasiums Leopoldinum Passau. Wir quälen uns durch Caius Iulius Caesars „De bello gallico“ in Latein und durch diverse Säure-Base-Reaktionen in der Chemie. Wesentlich interessanter ist da schon der Musikunterricht: die Geschichte des Blues. Es wäre doch toll, wenn sich ein paar Schüler zusammenfinden und eine Blues-Nummer live spielen würden, meint unser Musiklehrer. Gesagt, getan! Kaktus (Bass) und ich (Gitarre) sowie ein Schlagzeuger und ein weiterer Gitarrist proben „The Fright Train Blues“. Diese C-Dur-Nummer wird auch live gespielt und ist zugleich der Grundstein für die erste gemeinsame Band „Maggi’s Suppengrün Company“. Da der Schlagzeuger jedoch mehr auf Suppen aus dem Hause Knorr steht, nehmen wir den wertneutralen Namen „Clan McNoise“ an. Laut aber herzlich, heißt die Devise für so manche Auftritte in Passau.

Herbst 1983:
Onkel Werner wechselt von der stadtbekannten Band „Macintosh“ zu “Clan McNoise“. Das „Bewerbungsgespräch“ ist mein erster persönlicher Kontakt mit dem Drummer; es findet im „Landsknecht“ statt, eine in den Achtziger Jahren berühmt-berüchtigte Musikkneipe im Passauer Stadtteil Innstadt. Ach, wie herrlich ist es doch, wenn die Kneipe rammelvoll ist, die Leute in dritter Reihe am Tresen stehen und immer pünktlich um Mitternacht „Mister Wonderful“ von John Waite aus den Lautsprechern dröhnt! Schon einen Tag später treffen wir uns mit Onkel Werner im Bandraum. Wir spielen in erster Linie Cover-Versionen: Spider Murphy Gang, Chris Spedding, Rocky Horror Picture Show etc.

Winter 1983/84:
Nach wechselnden Besetzungen an den Keyboards, höre ich bei „Clan McNoise“ auf. Kaktus und Onkel Werner spielen noch ein paar Monate, dann ist definitiv Schluss.

1984 – 1987:
Zwischenzeitlich haben wir uns in den Dienst der Katholischen Kirche gestellt und spielen im Jugendchor der Pfarrgemeinde St. Anton unter Leitung von Maria Höllrigl. Zwischen „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt…“ (D-Dur) und „Die Sache Jesu braucht Begeisterte…“ (E-moll), machen wir mit unseren ersten Autos die Strassen unsicher: Onkel Werner mit einem knallgelben Audi 80, den er aus Begeisterung für Sattelschlepper zu einem wachechten Truck umbaut. Mit beheizbaren LKW-Außenspiegeln und Positionslampen auf dem Dach. Nicht zu vergessen der Innenraum: auf Kopfhöhe montiert Onkel Werner ein mit rotem Samt überzogenes Brett, um die zahlreichen Kippschalter unterzubringen. Es ist auch noch Platz für jene Metallkette, mit der er durch kräftiges Ziehen das Nebelhorn betätigt. Kaktus fährt seinerzeit einen dunkelblauen Kleinwagen der italienischen Marke Autobianchi. Ohnehin nicht gerade viel Platz bietend, muss zuerst der Beifahrersitz weichen: Kaktus braucht viel Musik und lagert auf der Beifahrerseite eine riesengroße Lautsprecherbox. Kurz darauf wird der Fahrersitz gegen einen kleinen Holzschemel(!) ausgetauscht, der ohne feste Montage einfach so auf dem Fahrzeugboden steht und in jeder Kurve umzukippen droht. Kaktus lapidar: „So ein Schemel reicht vollkommen aus, alles andere ist purer Luxus…“. Ich bewege mich mit einem Fiat 124 Spezial (ohne Autoradio!) durch die Welt: in Ermangelung einer Freundin, kaufe ich mir ein Skelett zum Basteln und platziere den Knochenmann aus Karton ganz lässig auf dem Beifahrersitz. Eine Sportauspuffanlage will ich damals unbedingt, aber für meine Kiste gibt es so etwas leider nicht. Also fahre ich zu Onkel Werner, der mir fachkundig mit seiner Bohrmaschine ein Loch in den Krümmer zaubert. Doch schon nach kurzer Zeit ist mir der neue Sound zu leise, und ich demontiere die komplette Auspuffanlage inklusive Krümmer. Das hat den Vorteil, dass ich nun auch kein Autoradio mehr benötige.

Winter 1987/88:
Nachdem wir einige Zeit moderne Kirchenlieder zum Besten gaben, ist Chorleiterin Maria der Meinung, ich solle doch mal ein Musiktheaterstück schreiben. Ich bin gerade als sinnloser Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr und wieder einmal für die Nachtwache im Munitionslager straf verdonnert. Eine herrliche, ruhige Winternacht, in der ich fast das komplette Theaterstück schreibe. „Wegwerfware Mensch“ wird mit rund 20 jungen Leuten geprobt und mehrmals aufgeführt. Wieder mit dabei im „Zeitgeist Musiktheater“: Kaktus und Onkel Werner. „Wegwerfware Mensch“ kommt gut an, uns so schreibe ich das nächste Stück: „Von Alpha bis Omega“. Es folgt eine intensive Zeit: wir proben bis zu viermal in der Woche, sitzen oft nächtelang zusammen und diskutieren über diese oder jene Szene, suchen neue Melodien für die Musikstücke usw. Auch dieses Stück kommt einige Male zur Aufführung. Dann ist die Luft raus. Wir verlieren uns größtenteils aus den Augen. Kaktus macht eine Ausbildung zum Tontechniker in München. Nur mit Onkel Werner habe ich regelmäßigen Kontakt. Doch bis wir beide mit Kaktus wieder zusammen treffen, werden noch einige lange Jahre ins Land ziehen.

Frühling 2003:
Nachdem ich meine Gitarren-Abstinenz überwunden habe, beginne ich wieder Lieder zu schreiben. Englisch? Hm, ganz nett, aber einfach nicht meine Sprache. Hochdeutsch? Nun ja, klingt immer etwas holprig, wenn sich der niederbayerische Akzent nicht so recht steuern lassen will. Also Bayerisch! Endlich! Texte in meiner ureigensten Sprache, so wie mir der Schnabel halt gewachsen ist. Herrlich! Einige Lieder sind fertig, es könnte also losgehen. Doch halt: wo sind die Musiker? Ein kurzer Anruf bei Onkel Werner: „hast du Lust wieder Schlagzeug zu spielen?“ Und er: „Ja, wann geht’s denn los?“. Okay, das passt schon mal. Da ich von Kaktus seit Jahren überhaupt nichts mehr gehört habe, rufe ich seine Mutter an, um die Telefonnummer in Erfahrung zu bringen. Aha, Kaktus ist ins Ausland gezogen – Oberösterreich, circa fünf Minuten von Passau entfernt. Das geht – wenigstens keine Missionarsstation im Kongo, kein Tretbootverleih in Grönland und kein Taxiunternehmen in Bombay. Ich wähle seine Nummer, warte kurz, dann hebt er ab: „Hallo Kaktus, ich hab’ da ein paar Nummern auf bayerisch und such’ noch einen Bassisten…“. Er unterbricht mich: „Komm’ morgen vorbei…“. So schnell kann es gehen! Kaktus‘ damalige Freundin und jetzige Ehefrau d‘Schwendtegin spielt Akkordeon und möchte gerne mitspielen. Ein dreifaches „Ja“ und die Sache passt. Fertig ist die Band – aber nicht der Bandraum! D‘Schwendtegin und Kaktus wollen eine alte Garage ausbauen, doch das zieht sich nach etlichen architektonischen Schwierigkeiten bis Januar 2004.

Januar 2004:
Wir beginnen mit den Proben, werfen das ganze Programm bald wieder über den Haufen. Wir üben neue Lieder ein, verwerfen wieder einige. Zwischendrin haben sich d’Schwendtegin und Kaktus so stark lieb, dass wir eine Zwangspause einlegen müssen: Cornelius Meinrad erblickt das Licht der oberösterreichischen Welt. Als der kleine Cornelius Meinrad soweit gediehen ist, um selbstständig Kreuzworträtsel zu lösen und den „Tatort“ ohne psychischen Schaden überstehen kann, werden die Proben fortgesetzt. Es sollen noch Wochen, Monate, gar Jahre ins Land ziehen….

Januar 2007:
Nach etwa 157 potentiellen Bandnamen (es könnten auch mehr gewesen sein), entscheiden wir uns für „Kraxn“ – eine gute Entscheidung, genährt vom festen Willen, einen eigenen Namen zu haben, und unterstützt durch die monatelange Verzweifelung darüber, keinen Namen zu haben. Mittlerweile hat auch Onkel Werner Nachwuchs bekommen: eine süße, kleine Mathilda für 0 € sowie ganz weich klingende Chimes für 40 €. Nachdem wir uns nach drei Jahren endlich für rund 20 Lieder aus einem Pott von etwa 60 Liedern entschieden haben, geht’s los – nein, kein Auftritt. Wir beginnen mit den Aufnahmen für unsere Demo-CD.

März 2007:
Wieder einmal ein wunderbares Erlebnis privater Natur: meine Tochter Lena kommt zur Welt. Nun hat die Band insgesamt sieben Kinder. Die Renten sollten gesichert sein…

Juli 2007:
Der 07.07.2007 – ein schicksalhafter Tag. Wir haben (wieder einmal) einen neuen Bandnamen: Dampfplaudara. Und dieser Name soll der Endgültigkeit geweiht sein!

Februar 2008:
Zwei freudige Ereignisse stehen ins Haus: Onkel Werner ist glücklicher Vater einer gesunden Amelia geworden und unsere CD „Voll ume 1“ ist nach viel Arbeit, jeder Menge Schweißausbrüche und noch mehr Beharrlichkeit endlich fertig geworden. Nun ist wieder mehr Zeit für Live-Auftritte.

...FORTSETZUNG FOLGT!

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